Iran Rundreise Planung

Iran: die geplante Rundreise

Iran: das Land fasziniert mich seit vielen Jahren. Die bewegte Geschichte, zahlreiche Kulturdenkmäler – 24 historische und kulturelle Stätten stehen auf der Welterbeliste der UNESCO -, das völlig Fremde und eine besonders freundliche Bevölkerung sind die Gründe, warum Iran eine magische Anziehung auf mich ausübt.

Als uns im Februar 2019 Freunde fragten, ob wir Lust hätten, Iran in einer kleinen Gruppe (7 Personen) und mit einem befreundeten Reiseführer zu bereisen, war klar: das machen wir!

Schon bald danach war der Zeitraum für die Reise im Februar/März 2020 fixiert, Flüge gebucht (von München über Wien nach Teheran) und nach einigen Treffen eine Reiseroute geplant, die uns zwei Wochen durch das riesige Land führen sollte.

Iran Rundreise
Die geplante Tour durch Iran

Die geplante IRAN-Rundreise
Vom 16.2. bis 3.3.2020

  • TAG 1: Flug nach Teheran, Ankunft abends (2 Übernachtungen)
  • TAG 2: Besichtigung des Shah-Palasts, des Nationalmuseums und der Naturbrücke
  • TAG 3: Flug nach Kerman, Besichtigung der Stadt und Umgebung (Shazdeh-Garten, in dem der letzte Shah seine Feste veranstaltete)
  • TAG 4: Fahrt Richtung Wüste Lut, ca. 100 km, ganztägige Besichtigung. Nachmittags Rückfahrt nach Kerman
  • TAG 5: Fahrt Richtung Bandarabbas, ungefähr 490 km Fahrt Richtung Süden, über Zagrosgebirge (3 Nächte in Bandarabbas)
  • TAG 6: Besichtigung von Gheshm, Übersetzen mit Fähre zur Insel
  • TAG 7: Ausflug mit der Fähre zur Insel Hormoz, Besichtigung der siebenfarbigen Insel und der portugiesischen Festung
  • TAG 8: Fahrt Richtung Shiraz, ungefähr 450 km Fahrt mit Auto Richtung Norden
  • TAG 9: Fahrt Richtung Margun-Wasserfall, kleine Wanderung in den Zagrosbergen
  • TAG 10: Stadtbesichtigung von Shiraz, Bazarkomplex, Saadi-Grabmal und Hafez-Garten, Rosa Moschee
  • TAG 11: Fahrt Richtung Yazd 460 km ( 2 Übernachtungen in Yazd). Auf dem Weg nach Yazd besichtigen wir Persepolis.
  • TAG 12: Besichtigung von Yazd (Türme des Schweigens, Feuertempel, Altstadt und Freitagsmoschee)
  • TAG 13: Fahrt Richtung Isfahan über Naeen ( 3 Nächte)
  • TAG 14: Stadtbesichtigung von Isfahan, des Meydan und des Bazars von Isfahan
  • TAG 15: Stadtbesichtigung Isfahan mit armenischem Viertel und alter Freitagsmoschee
  • TAG 16: Fahrt Richtung Teheran Flughafen, auf unserem Weg sehen wir Kashan mit Salzsee und/oder Ghom.
  • TAG 17: Nachts Rückflug nach Deutschland
  • Insgesamt 15 Nächte: 2 Teheran, 2 Kerman, 3 Bandarabbas, 3 Shiraz, 2 Jazd, 3 Isfahan

Noch nie zuvor in meinem langen Reiseleben habe ich eine Reise so früh geplant und noch nie habe ich im Vorfeld so viel über das Land gelesen, recherchiert und so viele Dokumentationen gesehen.
Hier einige Tipps:

  • Zur Stellung der Frau in der Gesellschaft, eine berührende Dokumentation von Natali Amiri, der ARD-Korrespondentin in Teheran
  • Zur aktuellen Lage der Bevölkerung im Jahr 2019
  • Die Geschichte des Irans in den letzten 40 Jahren ZDF-Dokumentation
  • Reiseblog von einem jungen iranischen Paar – mit vielen schönen Fotos und Reiseberichten über die Sehenswürdigkeiten im Land und auch Einblicken in das tägliche Leben
  • Reiseführer Iran von Stefan Loose in 1. Auflage: topaktuell und gespickt mit vielen Tipps, geschrieben von drei jungen Iranliebhabern, die das Land seit mehr als 5 Jahren regelmäßig bereisen.

Die politische Situation in Iran 2019/Anfang 2020

Die Vorfreude auf die Reise ist aber alles andere als ungetrübt:
Denn im Laufe des Jahres 2019 war Iran immer wieder negativ in den Schlagzeilen.
Im Mai/Juni wurden in der Straße von Hormoz Öltransporter angegriffen, für die von den USA Iran verantwortlich gemacht wurde.
Nach dem Abschuss einer US-Spionagedrohne am 20. Juni wurde von Trump ein Vergeltungsangriff angekündigt, der aber dann doch nicht erfolgte. Auf die von den USA dafür verhängten verschärften Sanktionen reagierte Iran mit dem Verstoß auf zentrale Bestimmungen des Atomabkommens.
Im September trafen Drohnen und Raketen zwei saudi-arabische Ölanlagen. Auch dafür wurde Iran verantwortlich gemacht. USA schickte daraufhin weitere Soldaten nach Saudi-Arabien.
Man spürte förmlich, wie die Spannungen zwischen USA und Iran immer mehr zugenommen haben.

Mitte November gab es landesweite Proteste gegen die Regierung wegen einer Erhöhung der Benzinpreise und der Rationierung von Kraftstoff durch Präsident Hassan Ruhani, eine Folge der harten Sanktionen durch die USA. Es gab mehrere Hunderte Festnahmen und lt. Amnesty mehr als 300 Tote. Mit einer zeitweisen Internetsperrung sorgte Teheran dafür, dass kaum Informationen, Bilder und Videos der Proteste verbreitet werden konnten.

Ende 2019/Anfang 2020 überschlagen sich die Ereignisse

27. Dezember 2019: Eine von den iranischen Revolutionsgarden gesteuerte irakische Miliz „Kataib Hisbollah“, verübt einen Raketenangriff auf einen US-Stützpunkt im Nordirak. Ein amerikanischer Zivilbeschäftigter stirbt und vier Soldaten werden verletzt. Als Kommandeur der Miliz gilt Qassim Soleimani. 

29. Dezember 2019: Durch US-Angriffe auf Stellungen der Miliz „Kataib Hisbollah“ wurden in Syrien und Irak 25 Menschen getötet und 50 verletzt. Trump rechtfertigte die Mission mit den Opfern des Angriffs auf die US-Basis. 

30. Dezember 2019: Die USA drohten den von Iran unterstützten schiitischen Milizen im Irak und Syrien mit weiteren Angriffen, wenn diese ihr feindseliges Verhalten nicht einstellen. 

31. Dezember 2019: Nach der Beisetzung Opfer vom 29. Dezember stürmten Hunderte Demonstranten mit den Rufen „Tod den USA“ die US-Botschaft in Bagdad. Auch dafür wurde Teheran verantwortlich gemacht. Die irakischen Sicherheitskräfte verhinderten nicht, dass die Menge Steine und Brandsätze auf das Botschaftsgebäude wirft. Um die Belagerer abzuschrecken, ließen die Amerikaner Kampfhubschrauber aufsteigen, die Signalraketen abfeuerten.

Trump drohte daraufhin auf Twitter:

1. Januar 2020: Erneut versammelten sich Hunderte Demonstranten vor der Botschaft und wieder griffen etliche das Gebäude an. Es sind anders als am Tag zuvor keine Zivilisten, sondern Kämpfer – teilweise sogar in Uniform -, die Fahnen proiranischer Milizen schwingen. Die Protestierer kündigen an, erst wieder zu gehen, wenn die Amerikaner den Irak verlassen haben. Irakische Militärs versuchen einen Abzug zu erreichen. Erst als die „Volksmobilisierungseinheiten“ (PMF), der Dachverband schiitischer Milizen, zum Ende der Belagerung der Botschaft aufruft, rücken die Demonstranten ab.
Trump macht die iranische Führung für den Angriff auf die Botschaft verantwortlich. Ayatollah Ali Chamenei, oberster Führer Irans, bestreitet jede Beteiligung. 

3. Januar 2020: Während seines Weihnachtsurlaubs fasste Trump die weitreichende Entscheidung, mit der keiner gerechnet hatte: bei einem US-Drohnenangriff am Flughafen Bagdad wird der iranische General der Al-Quds-Brigaden Qassim Soleimani getötet.
Bis 2.2.2020 ist in der ZDF-Mediathek eine ausgezeichnete Dokumentation über Soleimani abrufbar, die zeigt, welche wichtige Stellung er hatte.
Das US-Militär hat unter Führung des Präsidenten „energische Schritte“ unternommen, um Amerikaner außerhalb der USA zu schützen, so das Pentagon. 
Ayatollah Ali Chamenei kündigt Rache für den Angriff an. Auch Präsident Hassan Rohani erklärt, Suleimanis Tod mache den Iran noch entschlossener im Kampf gegen die amerikanische Expansionspolitik.

4. Januar 2020: Trump droht mit dem Angriff auf 52 wichtige – auch kulturhistorische – Einrichtungen in Iran.

6. Januar 2020: Hunderttausende Menschen nahmen in Teheran an dem Trauerzug für Soleimani teil.

7. Januar 2020: Auf der Trauerfeier für Soleimani in Kerman kündigte Teheran Rache für die Tötung an. Während des Trauerzugs kam es zu einer Massenpanik mit zahlreichen Toten.

8. Januar 2020: In der Nacht auf Mittwoch erfolgten Raketenangriffe auf US-Stützpunkte im Irak als Rache für den Tod Soleimanis. Chamenei bezeichnete sie als „Schlag ins Gesicht der Amerikaner“. Iranische Medien berichten von 80 Toten, nach anderen Quellen kam niemand ums Leben.

Wenige Stunden nach dem Raketenangriff stürzte ein ukrainisches Passagierflugzeug bei Teheran ab. Alle 176 Menschen kommen ums Leben.
Lufthansa setzt daraufhin den Flugverkehr nach Teheran aus.

8. Januar 2020: Nach fünf Tagen Nervenanspannung sendet Trump ein Signal der Entspannung. Im Weißen Haus trat er vor die Kameras, um eine Waffenruhe mit Teheran zu verkünden: „Iran scheint sich zurückzuhalten.“ Im Gegenzug seien auch die USA bereit, den „Frieden zu umarmen“. Gleichzeitig kündigte er eine weitere Verschärfung der Wirtschaftssanktionen an. 

11. Januar 2020: Die Beweislast ist zu groß und der Iran gesteht, dass die Passagiermaschine durch menschliches Versagen von einer Luftabwehrrakete getroffen wurde. Gleich nach dem Absturz wurde von einem technischen Problem gesprochen und die Möglichkeit eines Abschusses kategorisch abgestritten.

Die Bevölkerung ist empört, trauert um die Toten, von denen die meisten ihre Wurzeln im Iran hatten, und protestiert auf der Straße und im Netz.
Hier Fotos, die die Stimmung in der Bevölkerung zeigen.
Ein Video zeigt, wie auch diese Protestaktionen mit großer Gewalt niedergeschlagen werden.
Natali Amiri schreibt auf Twitter:

Was die offiziellen Medien im Iran nicht schaffen: die Trauer um die Opfer des Flugzeugabsturzes (hier auf Instagram)

Reisen wir – ja oder nein?

Ende November 2019 haben wir uns alle zusammen nochmals getroffen und beschlossen – trotz aller schon damals bestehenden Bedenken – die Reise wie geplant zu machen. Aber auch ohne zu ahnen, wie sich die Situation in den nächsten Wochen verändern würde.

Hamid, unser Reiseleiter, war dann Anfang Dezember bei seiner Familie in Teheran und hat bei einer iranischen Reiseagentur die Hotels und den Inlandsflug organisiert. Durch die Buchung bekommt man eine Referenznummer, die für die Beantragung des Visums erforderlich ist.

Am 6. Januar 2020 kam vom Auswärtigen Amt der erste Sicherheitshinweis, der am 8. Januar noch verschärft wurde: Verschieben Sie nach Möglichkeit nicht erforderliche Reisen nach Iran und wägen Sie sorgfältig ab, ob Sie bereits angetretene Reisen wie geplant fortsetzen.

Lufthansa und Austrian Airlines haben die Flüge nach Teheran bis zum 20. Januar ausgesetzt. Und auch alle Reiseveranstalter der Pauschalreisen führen die bis Ende März geplanten Reisen nicht durch.

Wir haben beschlossen, uns noch eine Woche Bedenkzeit zu geben. 4 Wochen vor der für 16. Februar geplanten Abreise soll die Entscheidung fallen.

Bei mir ist die Sorge vor einer weiteren kriegerischen Eskalation zwischen Iran und USA jetzt relativ gering. Auch das Militär im Iran muss nach dem fatalen Fehler Zurückhaltung üben. Schon lange waren die Chancen nicht so groß, sich auf diplomatischem Parkett wieder näher zu kommen und die Basis für ein friedlicheres Zusammenleben zu schaffen. Auch muss der eigentliche Feind, der IS, wieder mehr ins Zentrum der Überlegungen und Handlungen der beteiligten Nationen kommen.
Aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich die innenpolitischen Konflikte verstärken. Die Bevölkerung wünscht sich einen Regimewechsel und die kurze Zeit nach dem Tod Soleimanis, der alle Iraner in ihrem Glauben an den Märtyrertod zusammengeschweißt hat, ist vorbei. Die neuerlichen Sanktionen der USA treffen wichtige Wirtschaftszweige und Unternehmen. Auch das wird die wirtschaftliche Situation im Land weiter verschärfen und die Wut in der Bevölkerung auf das Regime erhöhen.

Stand: 18. Januar 2020
Wir können leider nicht reisen

Gestern hat die Lufthansa entschieden, Teheran wegen der unklaren Sicherheitslage im iranischen Luftraum mindestens bis Ende März nicht anzufliegen. Diese Entscheidung gilt auch für die Tochtergesellschaft Austrian Airlines, bei der wir unsere Flüge gebucht haben.

Wir sind alle sehr enttäuscht, dass die Reise nicht stattfinden kann und hoffen so sehr, dass sich die Situation im Land entspannt. Die Bevölkerung leidet sehr unter der wirtschaftlichen Situation, so sind z.B. wichtige Medikamente im Iran zurzeit nicht zu bekommen.
Auch wenn die von der US-Regierung angebotenen Gespräche von iranischer Seite ausgeschlagen wurden, besteht zumindest Gesprächsbereitschaft mit den Regierungsverantwortlichen in Europa ….

Unsere Reisegruppe hofft sehr, dass die Reise im nächsten Jahr stattfinden kann.

3 Gedanken zu “Iran: die geplante Rundreise

  1. Liebe Petra und alle weiteren Teilnehmer,
    wir mussten ja leider krankheitsbedingt schon im November von der geplanten Reise zurücktreten. Wir beneiden Euch nicht um die Entscheidung, die Ihr nun zu treffen habt, aber wir wünschen Euch ein gutes Händchen für diese schwierige und kaum lösbare Aufgabe.
    Man weiß halt nicht, wie sich die Situation weiter entwickelt ….. es ist sicher anzunehmen, dass weder die USA noch der Iran an einer weiteren Verschärfung der Lage interessiert sind, aber durch den Abschuss der Passagiermaschine und das zuerst nicht Eingestehen dieses Irrtums, hat sich die Lage im Inneren des Iran deutlich zugespitzt und die Bevölkerung gegen das verhasst Regime aufgebracht. Wie soll man einschätzen, wie es jetzt im Iran weitergeht ?
    Ihr bräuchtet einfach noch mehr Zeit, um die weitere Entwicklung abwarten zu können.
    Wir halten ganz fest die Daumen, dass Ihr die richtige Entscheidung trefft und wünschen Euch dabei alles Gute.
    Wir sind in Gedanken bei Euch.
    Walter

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  2. HI petra,

    schade zu hören. Ich hatte die Chance 2 x im Jahre 2015, kurz vor dem Iran Deal und kurz danach in den Iran reisen zu dürfen. Seitdem wollte ich immer wieder in den Iran. Leider wurde es aber durch die Unruhen, Katastrophen nichts mehr daraus. Ich hoffe bald wieder in den Iran reisen zu können. Eine wunderschöne Kultur mit sehr freundlichen Menschen. Ich wünsche den Menschen im Iran das beste und hoffentlich bekommen sie bald ihre Freiheit 🙂

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