Namibia: Kalahari und Deadvlei

Die Kalahari Anib Lodge in der Nähe von Mariental war ursprünglich als erste Station unserer Reise eingeplant. Durch den erforderlichen COVID-Test am 5. Tag der Reise, mussten wir umplanen und doch einen ziemlichen Umweg in Kauf nehmen. Doch die abwechslungsreiche Fahrt von der Namtib Dessert Lodge bis zum Ziel, insgesamt 350 km, davon 210 km über Schotterstraße, war kurzweilig und hat Spaß gemacht. Die ersten 175 km ist uns auf der Strecke kein einziges Auto begegnet! Dafür viele Oryx-Antilopen, das Nationaltier Namibias. Und an der Landschaft entlang der D707 konnte ich mich nicht sattsehen.

Auf der weiteren Strecke lag das Schloss Duwisib, das wir gerne auch innen besichtigt hätten. Es war aber leider geschlossen – keiner rechnet zurzeit mit Touristen.
Das Schloss wurde von einem Deutschen erbaut, der von 1909 bis 1916 als Farmer, vor allem als Pferdezüchter, dort lebte.

Schloss Duwisib


Kalahari Anib Lodge

Die letzten rund 150 km ab Maltahöhe ist die Straße sehr gut ausgebaut. Und schon am frühen Nachmittag kamen wir in der Kalahari Anib Lodge an. Auch dort, in dieser riesigen Lodge mit über 50 Zimmern, waren wir die ersten und einzigen Touristen. Alle waren darauf bedacht, die entsprechenden Hygienevorschriften einzuhalten, überall stehen Spender mit Desinfektionsmittel und die Mitarbeiter*innen tragen eine Maske.

Wir haben ein sehr schönes Zimmer mit Blick auf die Kalahariwüste und das Wasserloch bekommen, an dem sich immer wieder Elands, die größten Antilopen mit imponierenden Hörnern, versammelten und auch ein Warzenschwein war immer wieder zu Besuch. Den Nachmittag haben wir sehr entspannt auf der Terrasse verbracht. Abends gab es ein tolles 3-Gänge-Menü – exklusiv für uns zubereitet.

Am nächsten Vormittag mussten wir zum COVID-19-Test nach Mariental, das rund 30 km entfernt liegt. Dank der perfekten Organisation der Agentur hier, mussten wir nicht lange warten und konnten die unangenehme Prozedur schnell hinter uns bringen. In Mariental gibt es ein eigenes Test-Center, das Personal trug komplette Schutzkleidung.
Überall, egal ob beim Geldautomaten oder vor dem Supermarkt, stehen Mitarbeiter, die darauf achten, dass jeder die Hände desinfiziert. Beim Supermarkt wurde sogar Fieber gemessen. Masken sind obligatorisch.

Fahrt durch das Gebiet der Kalahari Anib Lodge

Am Nachmittag wollten wir das riesige Gebiet der Lodge erkunden: um halb fünf startete unsere Tour mit Avondré, unserem Guide, für den nach seinem Tourismusstudium die Kalahari Anib Lodge seine erste Stelle ist. Normalerweise sind die Autos mit 9 Personen besetzt und es sind alle vorhandenen 9 Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs. Für einen Guide alleine ist es schwierig, Tiere zu finden. Avondré hat uns richtig viel über die Natur und Tierwelt in der Kalahari erzählt. Und wir hatten auch richtig Glück und haben viele Tiere gesehen.

Die Kalahari ist mit 1,2 Millionen Quadratkilometern eine der größten Sandwüsten der Welt. Sie reicht vom nördlichen Kap Südafrikas über Nambia und Botswana nach Angola und Sambia. Charakteristisch ist der feine, rote Sand. Im Gegensatz zur Namibwüste sind die Dünen in der Kalahari keine Wanderdünen und gleichen durch ihren Pflanzenwuchs eher einer Savanne als einer klassischen Sandwüste. Die eindrucksvollen roten Dünen werden 10-30 Meter hoch und verlaufen stets längs der Windrichtung.

In dieser herrlichen Landschaft konnten wir Oryx-Antilopen, Springböcke, Strauße, Giraffen, eine Herde Zebras und riesige Nestkolonien an Webervögeln beobachten.

(Tierfotos 🦓 🦒 folgen noch – die Bilder von der Kamera kann ich erst daheim laden und die Tierfotos vom Handy sind einfach nicht gut.)

Zum Sonnenuntergang gab es dann Gin Tonic, eisgekühlt und mit Zitrone! Im Dunkeln ging es zurück zur Lodge, wo wir wieder mit einem tollen Menü verwöhnt wurden.

Fahrt nach Sesriem

Rund 320 km Fahrt, davon 170 km auf Schotter, lagen am nächsten Tag vor uns. Die Strecke bis Maltahöhe kannten wir bereits und dann ging es auf guten Schotterstraßen durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Vor allem das bergige Gebiet um den Tsaris Pass mit seinen unterschiedlichen Farben finde ich besonders schön.

Dead Valley Lodge in Sesriem

Diese erst 2019 erbaute Lodge gleich in der Nähe der Zufahrt zum Sossusvlei finden wir beide klasse. Der Empfang war überaus herzlich (wir sind heute die einzigen Touristen heute im Ort!), die Atmosphäre ist sehr entspannend. Es gibt einen großen Gemeinschaftsraum mit gemütlichen Sesseln und Couchen. Der Blick in die Landschaft ist wunderschön und immer wieder kommen Oryxe an die Wasserstelle. Die Zimmer in Zelten sind überaus geschmackvoll eingerichtet.

Sesriem Canyon

Nur vier Kilometer von der Lodge entfernt liegt der Sesriem Canyon, den wir am Nachmittag noch besucht haben. Die Schlucht ist bis zu 30 Meter tief und die Geröllschichten sollen 15 bis 18 Millionen Jahre alt sein. Die Entstehung des Canyons liegt 2 bis 4 Millionen Jahre zurück, als sich durch Landanhebung tiefe Einbrüche bildeten und so dem Fluss Tsauchab den Weg freimachten. Im Westen wird der Canyon stetig weiter, und der Tsauchab tritt in ein Tal aus, das sich bis zu den Dünenfeldern von Sossusvlei erstreckt. Wir sind den Canyon ein Stück entlang spaziert. Interessant sind die Färbungen der Steine und und auch die Vegetation.

Im Nabib-Naukluft Nationalpark

Um die Dünen des Deadvlei und des Sossusvlei in leuchtendem Rot zu erleben, sollte man möglichst zum Sonnenaufgang dort sein. Das heißt: richtig früh aufstehen, denn allein die Fahrt dorthin ist weit: 60 km Teerstraße und weitere 5 km im Sand. So machten wir uns nach einer extrem windigem Nacht, versorgt mit zwei riesigen Frückstückspaketen, um 5:30 Uhr (bei 7 Grad!) auf den Weg. Unser Versuch, am Tag vorher irgendwo ein Permit zu bekommen, war erfolglos und auch am Morgen war niemand, der am Tor Geld von uns wollte. 

Die Teerstraße ist gut ausgebaut, das Tempo wegen der Tiere auf 60 limitiert. Trotzdem haben wir es zur Dämmerung geschafft. Dort, wo normalerweise Jeeps  auf Touristen warten, um die Sandstrecke zu überbrücken, war alles einsam. Weit und breit waren wir die einzigen, die unterwegs waren. Die Sandpiste war durch die stürmische Nacht vorher und durch die geringe Nutzung nur schwer befahrbar. Und prompt blieben wir an einer kleinen Steigung hängen. Erst nach einigem Hin und Her gelang die Weiterfahrt, dann mit Anspannung. 

Die Sonne war mittlerweile aufgegangen und tauchte die umliegenden Dünen in ein wechselndes Farbenspiel.

Deshalb stoppten wir gleich am Deadvlei, beeindruckt von der höchsten Düne hier, der Big Daddy Dune, die über 300 Meter hoch ist. 

Big Daddy Dune

Am Parkplatz stehen Tische und Bänke unter Akazienbäumen. Dort haben wir es uns nach dem ersten Spaziergang gemütlich gemacht und gefrühstückt. Die Temperaturen waren zwar immer noch frisch, aber man spürte schon die Wärme der Sonne.

Dann machten wir uns auf den Weg auf die Düne, zuerst eben durch das Tal, dann steil und richtig anstrengend die Düne hoch. Immer wieder boten sich schöne Ausblicke und nach jeder neuen Kuppe entdeckten wir etwas Neues. Bis sich plötzlich unter uns das Deadvlei auftat. 

Das Deadvlei ist eine von Dünen umschlossene völlig trockene Salz-Ton-Pfanne. Die schwarzen, abgestorbenen Bäume bilden einen tollen Kontrast. Wegen des trockenen Klimas verfallen sie nur sehr langsam. 

Man nimmt an, dass die Dünen vor rund 5 Millionen Jahren entstanden sind. Der durch Eisenoxid gefärbte Sand wurde aus der Kalahari in Richtung Meer geschwemmt. Der Benguela-Strom trieb ihn nach Norden, auf die Höhe von Lüderitz. Von dort sorgten landeinwärts wehende nordwestliche Winde für die Verteilung des Sandes und die Entstehung der Dünen. Die Namib-Dünen bestehen aus buntem reinem Quarzsand in unterschiedlichen Farbtönen. Je intensiver der Rotton einer Düne leuchtet, desto älter ist sie. 

Michael hat es tatsächlich bis auf den höchsten Punkt der Big Daddy Dune geschafft! Ich habe die kürzere Variante für den Abstieg gewählt. Insgesamt fand ich es richtig anstrengend, da keinerlei Spuren im Sand waren, in die man treten konnte und man im Sand abrutschte. Die die Sonne knallte mittlerweile auch heiß vom Himmel. 

Da wir beide nach dem Aufstieg recht platt waren und auch keine weiteren Schwierigkeiten mit dem Auto riskieren wollten, haben wir auf den weiteren Weg zum Sossusvlei verzichtet. Das ist der Nachteil, wenn keine anderen Touristen da sind, die ggf. helfen könnten und auch kein Netz vorhanden ist. 

Zurück in der Lodge erhielten wir per Mail die Nachricht, dass unsere Covid-19-Tests negativ sind. Jetzt können wir noch unbeschwerter weiter reisen. Den Nachmittag haben wir auf dieser wunderschönen Lodge sehr genossen.

Das Team der Dead Valley Lodge.
Chef PP und Julio (Mitte und rechts) haben uns zwei Tage hier verwöhnt und gestern Abend für uns gesungen und getanzt.

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